Padola - Venedig

da will ich hin!!!
da will ich hin!!!

Padola – Calalzo di Cadore

 

Auf der nächsten Etappe ging ich vorerst bis zur St. Anna Kapelle auf der Straße. Ab dort auf einem weichen Waldweg, der rasch schmäler wurde, weiter den Hang hinauf in den, immer dichter werdenden, Wald hinein. Auf diesem Weg war schon jahrelang kein Wanderer mehr unterwegs. Mit etwa Orientierung nach der Sonne, Netz gab‘s keins, erreichte ich ein bisschen zerkratzt den Passo del Zovo. Die Straße hinunter, über eine große Wiese, einen Bach überquerend, und wieder einen unmarkierten Weg in den Wald hinein. Da das Netz hier funktionierte, sonst wäre ich wohl heute noch dort, erreichte ich wieder einen Schotterweg, der mich Richtung St. Caterina führen sollte. Ich legte schon ein schönes Stück auf dem Weg nach unten zurück, als ich plötzlich vor einem abgerutschten Hang stand. Zurück, wieder hinauf, und den nächsten Weg nach unten versucht. Beim 3. Mal hat es endlich geklappt, der Schotterweg führte steil, aber immerhin, hinunter Richtung Tal. Outdooractive, mein sonst perfekt arbeitendes Landkartenapp, ist in dieser Gegend verbesserungsbedürftig. Verschwitzt und leicht demoralisiert erreichte ich kurz vor dem Ort Cima Cogna wieder die Straße; zum Aufbauen trank ich in einer Bar eine helle Erfrischung. Doch kurz vor Lozzo die Cadore, ich wollte wieder weg von der Straße über einen Weg den Hang entlang gehen, versperrte mir der nächste Erdrutsch den Weg. Diesmal war der Umweg nicht so weit. Ab dann ging ich an diesem Tag meist nur mehr auf der alten Straße oberhalb der aufgestauten Piave weiter bis Calalzo di Cadore.

Tabia Costa Nähe Dante di Cadore, der Weg, Brücke über die Piave, italienisches 1er Menü.



Cadore und die Piave
Cadore und die Piave

Calalzo di Cadore – Ponte nelle Alpi

 

Hinauf, und durch den Ort Pieve di Cadore, weiter über die alte Straße, die jetzt ein selten befahrener Radweg ist, geht es hinunter nach Perarolo die Cadore. Immer der Piave entlang durch kleine Orte abseits der Hauptstraße, die schon sehr verlassen wirken und deren Bewohner entweder bereits sehr, sehr erfahren wirken oder zu den weniger begünstigten Menschen im Leben zählen. Je weiter man aus diesem Tal hinaus kommt, etwa ab dem Ort Longarone. desto moderner, cooler, eben für uns typisch italienischer wird die Umgebung. Landschaftlich hat dieses, nach Süden führende, schmale Tal mit den hier etwa 2000m hohen Bergen trotzdem einiges zu bieten. Erschöpft, aber glücklich erreichte ich bei Ponte nelle Alpi das Talende und eine Ebene machte sich vor mir breit. Doch halt, genau in meiner Gehrichtung noch eine flotte Erhebung, mit weithin sichtbaren Sendemasten am Gipfel, der Col Visentin.

Cadore mit der Piave (4x), Ponte nelle Alpi, Kulinarik.



Col Visentin
Col Visentin

Ponte nelle Alpi – Vittorio Ventio

 

Dieser Berg (Col Visentin) ist 1763m hoch, allerdings der Höhenunterschied, vor allem auf der anderen, südlichen Bergseite ist beachtlich. Über Nevedal, dem Schiort des nahe gelegen Bellunos, ging ich über, diesmal, bestens markierte Wege hoch. Sogar eine Markierung vom Traumpfad München – Venedig, der Variante über diesen Gipfel, fand ich. Über gute Wege, teilweise über Schipisten, fast immer im Wald, stieg ich auf den Gipfel mit dem Refugio Nr. 5, einer Unterkunftsmöglichkeit, die fast immer ausgebucht ist. Dieser allein stehende Berg bietet, bei Schönwetter, eine grandiose Fernsicht bis an die Adria, bis Venedig. Durch die herrschende Ostströmung hatte ich nur Richtung Norden, aus der Richtung, aus der ich kam, freie Sicht. Nach Süden verhüllten immer wieder aufziehende Wolken die Sicht. Der freundliche Wirt dieses Refugios kredenzte eine wohlschmeckende Suppe, Tramezzini und flüssige Erfrischungen auf. Seine sichtliche Überraschung, dass ich aus Salzburg kam, musste er sofort den anderen Hüttengästen mitteilen, an deren Gesichtern ich respektvolle Zustimmung erkennen konnte – verstehen konnte ich sie leider nicht. Über eine Schotterstraße, später auf Asphalt, teilweise über Wege hinab zum Ort Revine, erreichte ich 1600 HM nach unten gehend, mein Tagesziel Vittorio Veneto. Eine wunderbare Pizza, Apfelsaft, Bier und einem Glas Prosecco später, schlief ich ein. 

Col Visentin mit den Sendern, dem Wirt, ich, und den Wolken.



Proseccostraße
Proseccostraße

Vittorio Venetio – Ponte della Priula

 

Von Vittorio Ventio führte mich der Weg zuerst unter der Autobahn auf einer Hauptstraße in die Weinberge der Proseccogegend. Bei der ersten Gelegenheit verließ ich die Hautstraße nach links. Inmitten der wunderbaren Weingärten, jetzt war es wieder angenehm ruhig, führte mich der Weg vorbei an exklusiven Weinbaubetrieben und Weinbaugenossenschaften. Sogar Kiwis und Granatäpfel wuchsen hier. Auffällig war, dass in dieser Gegend fast jedes bewohnte Gebäude einen größeren oder kleineren Hund hatte. Bei mir hat Jeder angeschlagen. Wieder auf einer Asphaltstraße erreichte ich Conegliano. Diese norditalienische Kleinstadt ist die Heimat des spritzigen Proseccos. Ohne Aufenthalt ging es vorbei an der Weinbauschule und dem historischen Stadtkern. Etwas außerhalb der Stadt, führte mich der Weg weiter unter einer schmalen Eisenbahnunterführung, auf Geh/und Radwegen zu dem, durch den spitzen Kirchturm, von weitem sichtbaren Ort Santa Lucia di Piave. Die Gegend ist jetzt sehr flach und die Weingärten wichen riesigen Feldern. Bis Ponte della Priula nahm der Verkehr auf der Straße immer mehr zu. Als Wanderer musste ich hier die einzige begehbare Brücke weit und breit, die über die Piave führt, nehmen. Die Wanderer des Traumpfades München – Venedig müssen ebenfalls über diese Brücke. Der Flusslauf der Piave hier war sehr breit, allerdings führte sie wenig Wasser. Sogar ein Klein-LKW der Stadtverwaltung fuhr im trockenen Teil des Flussbettes. Auf der Brücke war der Verkehr gigantisch, und das merkte man ihr auch an.

der Stoff aus dem die Träume sind, zwischen Vittorio Venetio und Conegliano (6x).


der Stoff aus dem die Träume sind, zwischen Vittorio Venetio und Conegliano (3x).



am Weg
am Weg

Ponte della Priula – Treviso

 

Nach der Brücke ging ich vorerst links, entlang der Piave auf dem Treppelweg, an einem Schotterwerk vorbei. Später zweigte ich Richtung Spresiano ab. Von hier ging es meist nahe der Eisenbahn, entlang auf schwach befahrenen Straßen durch Catena, und weiter Richtung Treviso. Vorbei an einem Stadion kündigte eine breite, von alten Bäumen gesäumte, Einfallstraße die Nähe dieser Stadt an. Über eine Steinbrücke, unterhalb ein Wassergraben, durch einen alten Stadtturm, der mit der historischen Stadtmauer verbunden ist, betrat ich diese belebte, saubere Stadt. Mir kam vor, diese Stadt sei ein einziger Shoppingtempel. Geschäfte an Boutiquen gereiht, nur manchmal durch Bars/Kaffees unterbrochen kannst du hier typische italienische Mode und Accessoires kaufen. Die bis an die Zähne bewaffneten Carabinieri, die im Zentrum flanierten, gehörten wohl nicht zur Kundschaft. Über den Bahnhof hinaus, auf Straßen wo es selbst außerhalb der „Rush Hour“ staut, erreiche ich mein Tagesziel südlich dieser Stadt. 

am Damm der Piave, Treviso (4x).



Venedig Markusplatz
Venedig Markusplatz

Treviso – Venedig

 

Zur letzten Etappe startete ich um etwa 7:30 Uhr am Morgen mit einem Gefühl, das ich schon einmal im Leben verspürte. Es war noch leicht dunkel, und die letzten Wolken eines nächtlichen Gewitters lösten sich auf. Es sollte ein strahlend schöner Tag werden. Auch die Italiener sind vom morgendlichen Stress nicht verschont. Autos, Busse, Züge, Motorräder, Fahrräder und Mofas transportieren die Menschen pünktlich zur Arbeit bzw. zur Schule.  Ursprünglich wollte ich bis nach Mogliano Veneto auf schwach befahrene Straßen ausweichen. Da aber die Hauptstraße fast durchgehend über einen breiten Fahrradstreifen verfügte, ging ich auf dieser Straße über Preganziol bis zur Ortschaft Marocco. Leider fand ich keine Ortstafel von diesem Ort. Ab dort gab es einen eigenen Fuß- und Fahrradweg. Entlang dieser Straße sah ich immer wieder historische Palazzos mit riesigen Parks. Einige aufs Feinste saniert, mit schweren Eisentoren gesichert, videoüberwacht und mit dicken Autos vor der Tür, andere im bemitleidenswerten Zustand und verwilderten Gärten. Von weitem erkannte ich den Sendeturm von Mestre. Noch einmal unter einer Autobahn (A57) durch, vorbei an typischen Firmen des Stadtrandes, wie Autohäusern, Bauhäusern und Terrazzogeschäften, entlang der Wohnstraßen hinein ins Zentrum von Mestre. Mein Eindruck: sehr sauber, tolle Geschäfte, voll besetzte Gastgärten vor historischen Bauten, und darüber wachten wieder mehrere voll bewaffnete Carabinieri. Den Weg aus Mestre hinaus Richtung Ponte della Liberta hatte ich im Vorfeld genau geplant (Google Maps), um so die stark befahrenen Straßen zu vermeiden. Die Brücke über den Bahnhof (Corso del Popolo) nahm ich auf der linken Seite, weiter über die stark befahrene Straße (unterhalb wäre es über dunkle Treppen und Gänge ebenfalls gegangen), auf einem Geh- und Radweg entlang der Via della Liberta, dann ins Industrieviertel mit den alten verfallenen Hallen, sowie den neuen modernen Gebäuden, im Zick Zack am Hafen vorbei, weiter an den riesigen Parkplätzen für Langzeitparker vorbei, wieder zurück zur Via della Liberta und dem Brückenbeginn. Bis auf die letzten 300m war das ein ruhiges und angenehmes Gehen. 

An der Brücke angekommen, empfingen mich die beiden Löwenskulpturen links und rechts über der Straße mit dem grandiosen Blick auf mein Ziel Venedig. Die knapp 4km bis dorthin und die knapp 6km bis zum Markusplatz wurden zum Triumphmarsch. Die rötliche Skyline vor dem blaue Himmel und zwei riesige Kreuzfahrtschiffe erkannte ich bereits von Weiten, sie wurden mit jedem Schritt auf dem breiten Geh- und Radfahrweg größer. In Wirklichkeit besteht die Ponte della Liberta aus zwei Brücken, eine für den Zugverkehr und die andere für Autos. Die Autos, viele Züge, auch unsere ÖBB, über mir die am Flughafen Venedig Marco Polo landenden Flieger, Fischer in der Lagune unterhalb, hier gab es immer etwas zu sehen. Am Weg über die Brücke begegnete mir nur ein junges Paar, das nicht wissen konnte warum dieser Wanderer, dem sie gerade begegneten, so glücklich strahlte. Dieses eigenartige, leichte und coole Gefühl kurz vor einer großen Zielerreichung verspürte ich bereits seit dem Morgen und es war mir nicht ganz unbekannt. Ich hatte das Privileg zwischen 2001 und 2006 ein ÖBB Projekt begleiten und führen zu können, bei dem die betriebliche Kommunikation (Funk, Handy, Telefon und Datenübertragung), sowie einige wichtige Abläufe bei der Zugbildung normativ für ganz Österreich neu geregelt wurden. Kurz vor der Inkraftsetzung/Umsetzung dieser neuen Abläufe, im Dezember 2006, hatte ich das gleiche leichte, coole Gefühl; durch exakte Vorbereitungen war für mich die erfolgreiche Implementierung dieser neuen Eisenbahnverkehrsregeln im Vorfeld schon absehbar. In diesem Moment kam die Erinnerung daran in mir wieder hoch, vor allem an die dabei mitwirkenden Menschen, die durch ihr Engagement, Wissen und Umsicht dieses weitreichende Projekt erst so ermöglichten. In meinen Gedanken schätze ich Euch alle sehr. Am Ende der Ponte ging es leicht aufwärts und ein herrlicher Blick zurück auf die Brücke, sowie auf den Hafen Tronchetto rechter Hand und den Bahnhof Santa Lucia auf der anderen Seite eröffnete sich mir. Am Bahnhof erwartete mich schon meine liebe Gattin und begleitete meinen Triumphmarsch das letzte Stück bis zum Markusplatz. Durch schmale Gassen, über die berühmte Rialtobrücke, die neu renoviert in der späten Nachmittagssonne strahlte, war es zum Markusplatz nicht weit. Durch die Menschenmassen ganz nach vorne, dort wo das Wasser wieder beginnt und die Gondoliere auf Kundschaft warten. Angekommen!!! In einem Kaffeehaus, erste Reihe, hin zum Meer und den Gondeln ließen wir uns nieder und freuten uns bei Prosecco über die warmen Sonnenstrahlen, die Aussicht aufs Wasser und die umliegenden historischen Bauten. Ich war der einzige Gast mit Bergschuhen. Lange genossen wir dieses Gefühl und die herrliche Umgebung. Es wurde schon dunkel als wir im Hotel ankamen. Dicke, schwere Teppiche dämpften unsere Schritte im Erdgeschoß. Aus dem angrenzenden Restaurant hörte ich das Klirren der Teller und des Besteckes, aus der Küche drangen die herrlichen Düfte von Prosciutto, Spaghetti und Parmesan. Wir stiegen die marmorne Treppe hinauf, in einigen Zimmern würden die Gäste nach einem anstrengenden Tag gerade entspannen, in anderen Zimmern würden wohl gerade die Koffer ausgepackt. Leise fiel die Türe unseres Zimmers ins Schloss. Da gab es auch Zimmer in dem ein etwas älteren Herrn mit der etwas jüngeren Reisebegleitung.…. Und das kennen wir doch schon irgendwoher.

am Morgen der letzten Etappe, Palazzos entlang der Straße (3x), Mestre, am Weg zur Ponte della Liberta.


jetzt ist es nicht mehr weit, Ponte della Liberta (3x).


Ponte della Liberta (3x), Canale Grande (2x), Rialto.


Markusplatz (2x), ganz vorne bei den Gondolieri, Bergschuhe am Markusplatz, Abendstimmung, Kulinarik.