Rauris - Lienz

Seidlwinkeltal
Seidlwinkeltal

Rauris – Rauriser Tauernhaus

 

Weiter ging’s über Seitenstraßen nach Wörth und von dort ins Seidlwinkeltal. Zuerst über die einzige Straße, asphaltiert, später über eine Schotterstraße. Der plätschernde Bach, die Seidlwinkelache, die saftig grünen Wiesen, die hohen Berge mit den Wasserfällen, das Seidlwinkeltal ist ein Landschaftsjuwel der Extraklasse. Vorbei an den lieblichen Almen, Gollehenalm, Palfneralm zum über 500 Jahre altem Tauernhaus. Wenn ich altersbedingt nicht mehr auf die Berge hinaufkomme, besuche ich dieses Tal wieder – versprochen. 

Seidlwinkeltal - Palfneralm, Kulinarik


Rauriser Tauernhaus



Großglockner
Großglockner

Rauriser Tauernhaus - Heiligenblut

 

Ab hier wird die Straße zum Wanderweg, und die Landschaft noch um eine Klasse besser. Vor Jahrhunderten war dieses Tal einer  von Säumern, den Vorgängern unserer Spediteure, meistbegangen Alpenübergänge. Auf Maultieren transportierten sie hier vorwiegende Salz und Wein. Ich traf aber keinen mehr. Ab der Litzlhofalm steigt der Weg an, die Bäume weichen den Latschen, später die Latschen den saftigen Weiden und dem Seidelbast. Hier oben findest du auch Enzian, Edelweiß und wieder die lustigen Murmeltiere. Überhaupt fiel mir hier auf, je weiter ich in den Süden kam, desto höher war die Baumgrenze. Mehrere Wasserfälle passierend, am Labboden angekommen, umgeben von den 3000ern des Alpenhauptkammes, erkenne ich von weitem bereits die Großglocknerhochalpenstraße. Noch einmal steil hinauf, die grünen Weiden weichen dem Geröll und dem Gestein, im Frühjahr sind auch noch kleinere Schneefelder zu überqueren, geht’s zum Hochtor, mit kurzem Fotostopp am Parkplatz, hinauf zum wirklichen Hochtor (2576m). Der Blick zurück auf die Hochalpenstraße, die Edelweißspitze, und dem tief unten liegenden Seidelwinkeltal, sowie der Blick nach vorne, zum Wallackhaus, dem Schareck, ins Mölltal und auf die 3000er dahinter erfreuen jeden Bergfreund. Die Gegensätze zuerst stundenlanges gehen in der Einsamkeit und dann die „Menschenmassen“ bei Schönwetter auf der Großglockner Hochalpenstraße übten einen eigenartigen Reiz aus. Als ich am Parkplatz ein Selfie von meiner Gattin und mir machte, bot sich eine freundliche Wienerin, die mit ihrem sportlichen Gatten in einem feinen Martini Porsche! unterwegs war, an, ein Foto von uns Beiden zu machen. Ich lehnte dankend ab, aber  hinterlistig fragte ich sie, ob sie uns (2 unbekannte und verschwitzte Menschen) in dem schönen Auto ein Stück mitnehmen könnten. Ihr Blick sagte mir, mit dem hatte sie jetzt nicht gerechnet. Wir lachten aber dann alle darüber, als ich die Beiden über mein Vorhaben zu Fuß nach Venedig zu gehen, aufklärte. Ich mag die Wiener gerne. Für mich einer der schönsten Abschnitte war dann der Weg vom Wallackhaus hinunter zum Kasereck. Nachdem ich die Hochalpenstraße und den Tauernbach überquerte, geht der Weg am Berghang, umgeben vom  Seidelbast, sanft nach unten. Immer im Blick der schneebedeckte Großglockner, mit seinen weniger bekannten Nachbarn, sowie das Tal in dem ich weiter Richtung Venedig gehen wollte, das Gößnitztal. Ab dem Kasereck geht's meist durch den Wald hinter nach Heiligenblut. Heiligenblut, bekannt durch die Kirche mit dem spitzen Turm und als Ausgangspunkt für die Besteigung des Großglockners (vom Norden), bietet dir feine Restaurants, Kaffees, Pensionen und Hotels aller Kategorien. Durch die Hochalpenstraße, bei Schönwetter bestens besucht, leben die Menschen in dem sonst so abgelegenen und von den Bauern schwer zu bewirtschaftenden Tal, glaube ich, ganz gut. 

Seidlwinkeltal (3x), Litzlhofalm, Seidlbast, Murmeltier.


Labboden, Hochtor Blick Ri. Norden (3x).


Hochtor Blick Ri. Süden, Hochtor, zwischen Wallackhaus und Kasereck (2x), Enzian, Heiligenblut.



Gößnitztal Blick Richtung Norden
Gößnitztal Blick Richtung Norden

Heiligenblut – Lienzer Hütte

 

Durch die morgendliche Geschäftigkeit in Heiligenblut, die LKWs belieferten die Touristikbetriebe mit frischer Ware, geht’s hinaus nach Winkl und dann links hoch zum Gößnitzwasserfall. Spätestens hier beginnt wieder die Ruhe und Einsamkeit. Vorbei an der Abzweigung zur Salmhütte (Großglockner) leicht ansteigend, hinein in das Gößnitztal. Der Gößnitzbach unter mir, die Berge links und rechts hoch aufragend, die Sonne im Gesicht, über wunderschöne grüne Wiesen gehend, dass ist Leben. Dieses Tal war überraschend feucht, viele kleine Bäche und Sümpfe säumten den steinigen, schmalen Weg. Einmal schlängelte sich eine Kreuzotter vor mir am Weg. Von weitem sichtbar war die Elberfelderhütte, eine sehr abgelegene Hütte, die durch den tödlichen Helikopterabsturz von Hannes Arch, dem österr. RB-Kunstflugpiloten im Jahr 2016 traurige Berühmtheit erlangte. Den Hüttenwirt (ich glaube es war ein Wiener) habe ich in besonders guter Erinnerung. Freundlich, schnell, kompetent und immer einen Schmäh auf den Lippen. In dieser herrlichen Umgebung, auf so einer Hütte, mit so einem Wirten könnte ich es länger aushalten. Nach einer gschmackigen Suppe und einer Erfrischung war bei mir aber wieder Abmarsch. Über die, wenige Meter neben der Hütte, aufragenden Moräne, hinauf auf das Gößnitzkees, einem ehemaligen Gletscher, weiter über Blockwerk ging‘s hoch zur Gößnitzscharte (2732m), dem höchsten Punkt meiner Alpenüberquerung. Eine Überquerung einer Scharte/eines Sattels/Passes oder eines Grates ist für mich immer etwas Besonderes. Die unbekannte, neue, prächtige Landschaft mit den Bergen und Täler, die auf meinen Besuch regelrecht warten, sowie der Blick zurück auf den bereits geschafften Weg sind immer ein Highlight. Auch hier, der Blick zurück auf die 3000er des Gößnitztales, die steinige Mondlandschaft des ehemaligen Gletschers, und der Blick nach vorne auf die Schobergruppe mit ihren 3000dern und das Debantental – herrlich. In steinigem Gelände, später über abfallende Wiesen, auf denen Schafe grasten, geht’s hinunter zur Lienzerhütte. Diese Hütte, am Ende des Debantentales, umgeben von den 3000dern der Schobergruppe ist auch etwas Besonderes. Versorgt über eine Straße, gibt es da keinen unerfüllten kulinarischen Wunsch, und viele Gäste, auch mit Kindern, bleiben schon einmal eine Woche und länger. Kein Wunder bei dieser Umgebung. Beim Abendessen lernte ich zwei junge Oberösterreicher aus der Gegend um Grieskirchen/Haag am Hausruck, sowie einen jung gebliebene Wiener, mit dem die Beiden schon öfter am Berg waren, kennen. Sie wohnten schon einige Tage hier, und verzeichneten schon etliche Gipfelsiege. Am Folgetag, das Wetter sollte prächtig werden, wollten Sie auf den/die Glödis. So eine, doch, unterschiedliche Bergkameradschaft, und so flotte Touren – Respekt.

Gößnitzwasserfall, Gößnitztal (5x).


Gößnitztal, Elberfelderhütte (3x).


Endmoräne, Gößnitzkees (3x), Gößnitzscharte (2x).


Gößnitzscharte, am Weg zur Lienzer Hütte - Debantental (3x), Lienzer Hütte (2x).



Debantental - Glödis
Debantental - Glödis

Lienzer Hütte - Lienz

 

Bald am Morgen, die Tischkollegen vom Vorabend waren auch schon munter, verließ ich die Hütte und marschierte am Lienzer Höhenweg weiter Richtung Süden. Auf und ab, einmal im Wald, dann wieder über saftige Wiesen, auf einer Höhe von etwa 2000m schlängelt sich der Weg am Hang dahin. Bereits auf einem breiteren Schotterweg passierte ich den Bergrücken des Zettersfeldes und ein grandioser Blick über Lienz, das Drautal, das Iseltal, die Lienzer Dolomiten und der Hochstein, auf dem im Winter die Weltcupschiläufe und im Sommer die Mountainbikeläufe des Red Bull Dolomitenmannes stattfinden, belohnten mich für die Mühen diese warmen Tages. Hinunter zu den Hotels des Zettersfeldes, wo die Touristen auf den südseitigen Terrassen bei einem Glas Bier die warmen Sonnenstrahlen genossen, ging es flott. Nicht so bei den Berggehern, die mir auf diesem Südhang entgegenkamen und zu den Seen am Zettersfeld, bzw. zu den Seen unterhalb der Schleinitz wollten. Auf einer Terrasse mit göttlicher Aussicht nahm ich eine wohltuende Erfrischung, und marschierte dann hinunter nach Lienz.  Allein schon die Lage dieser Stadt mit den vielen Sonnenstunden, inmitten der schroffen, steinigen Lienzer Dolomiten im Süden, dem bis weit oben grasbewachsen Zettersfeld im Norden, und dem Hochstein im Westen, am Zusammenfluss der Isel und der Drau lässt das Herz höher schlagen. Das Zentrum sauber, mit den historischen Bauten, den flotten Schanigärten, und den modernen Geschäften laden dich einfach zum Verweilen ein. Das Flair, schon leicht italienisch angehaucht, die Freundlichkeit, der liebenswerte Schmäh und die Geschäftstüchtigkeit der Tiroler sowie tolle Hotels zum Entspannen, göttliche Kaffeehäuser und Restaurants, ich blieb einfach ein paar Tage. 

Lienzer Hütte, Debantental (4x), Blick vom Zettersfeld über Lienz und die Lienzer Dolomiten.


Lienz und die Kulinarik