Salzburg - Rauris

Salzburg Domplatz
Salzburg Domplatz

Die Aktion: Mit meiner ÖBB reiste ich pünktlich zum Bahnhof Salzburg an. Dort bestieg ich den modernen Bus Richtung Zentrum, und genoss dabei die Fahrt im morgendlich, noch kühlen Salzburg. Vorbei ging's am glorreich gestalteten Mirabellgarten und an einem typischen Salzburger Nobelhotel. Der in historischer Uniform gekleidete, adrette Hotelboy vor dem imposanten Eingang, schickte sich an ein paar Koffer zu sortieren. Da ich beruflich häufig im Hotel übernachtete, dachte ich, was die Gäste in dem schicken Hotel wohl gerade machten. Gedanklich konnte ich das Klirren der Löffeln und Tassen, sowie den Duft des frischen Kaffees und der knusprigen Kipferl im Frühstücksraum nachvollziehen. Einige Gäste werden wohl noch in den feudalen Betten schlafen, andere bereits ihre Koffer packen. In wieder einem anderen Zimmer würde ein etwas älterer Herr mit der etwas jüngeren Reisebegleitung.…. Der Bus passierte inzwischen die Salzachbrücke, ich war ein bisschen abgelenkt und hätte das Aussteigen in der Haltestelle Rathaus fast übersehen. Die Getreidegasse rechts liegend lassend, erreichte ich in wenigen Schritten den Residenzplatz und den Domplatz – das war der Start. 

Salzburg Residenzplatz und Domplatz


Marktschellenberg
Marktschellenberg

Salzburg – Schönau am Königssee

 

Durch schmale Gassen unterhalb der Festung Hohensalzburg ging es hinaus ins noble Nonntal. Entlang dem Almkanal verließ ich nun die Stadt Salzburg und wanderte weiter entlang der Felder nach Grödig. Ein Red Bull-Flieger zog über mich, im blauen Himmel, hinweg und nahm Kurs Richtung der noch schneebedeckten Alpen. Da wollte ich auch hin. Ab dem Grenzort St. Leonhard ging ich auf einen Wanderweg rechts der Berchtesgadener Ache und passierte dabei die Grenze Österreich – Deutschland. Urplötzlich flog mir in diesem Waldgebiet ein Adler!! entgegen und schlug ca. 20 Meter entfernt bei einem Holzstoß eine kleine Beute. Genau so schnell wie er gekommen ist, war er auch wieder weg. Jetzt hatte das Abenteuer begonnen. Die Orte Marktschellenberg und Berchtesgaden, mit dem berühmten Salzbergwerk und dem ebenso bekannten deutschen Rodlerzentrum, unter dem genialen Trainer Hackl Schorsch, passierte ich ohne Pause, um die letzten 5 km des Tages auf einem breiten Rad- und Wanderweg bis Schönau am wunderbaren Königssee zu gehen. In Schönau, dem weltbekannten Touristenort triffst du Menschen aller Nationen, die Schneekugeln, Filzhüte, Anstecker und ähnlich notwendige Dinge kaufen. Wegen dem schönen, warmen Wetter waren die Gastgärten besetzt bis auf den letzten Platz, und der Duft von Schweinshaxen und Weißbier lag förmlich in der Luft. Die Landschaft, die Berge rund um Schönau, sowie der Königssee laden dich regelrecht ein, hier zu verweilen und zu genießen. Ich komme wieder. 

Schönau am Königssee



Watzmann
Watzmann

Schönau am Königssee – Wasseralm

 

Früh am Morgen ging‘s vorbei an der Seilbahnstation der Jennerbahn, um dann rechts unter der Seilbahn durch, entlang einem Bach den ersten Anstieg hoch zu gehen. Später wird der Weg breiter und ich passierte die Königsbachalm, wo die richtigen Bayern bereits mit Weißwurst und Weißbier frühstückten. Saftig, grüne Almlandschaft, der alles überragende Watzmann mit seiner berüchtigten Ostwand und der blauer Himmel darüber, erfreuen hier jeden Wanderer. Unterwegs traf ich auf ein älteres, freundliches Ehepaar aus den neuen Bundesländern. Sie urlaubten in Schönau, am Fuße des prächtigen Watzmanns und ich merkte den Beiden richtig an, wie sie eine der schönsten Gegenden Deutschlands hier genossen. Das freie Reisen hat schon etwas. Als wir uns verabschiedeten, musste ich an meinen, beruflich, emotionalsten Augenblick denken. 1989: Ungarn ließ an diesem Tag einige hundert Menschen aus Ostdeutschland über die Grenze nach Österreich ausreisen. Beruflich war ich zu dieser Zeit Fahrdienstleiter in Linz  und hatte Nachtdienst. Irgendwann in der Nacht wurde ein „Flüchtlingszug“ vorangekündigt. Als um 1:30 Uhr dann dieser Zug aus der Dunkelheit am hell erleuchteten Bahnsteig 1 ankam, stand ich da, und es traf mich Blitz und Donnerschlag gleichzeitig. Die kollektive Freude, die Emotionen, die Feierlaune, die Gesänge und die glücklichen Gesichter dieser „Flüchtlinge“, die jetzt in ihre Heimat Deutschland reisten, vergesse ich mein Leben nicht. Rückblickend freue ich mich heute noch, damals meinen kleinen Beitrag zur „Geschichte“ abgeliefert zu haben.  

Ab der Priesbergalm, die für den gschmackigen Käse bekannt ist, treffe ich nur mehr vereinzelt auf Wanderer. Hinauf ins Hagengebirge zum Seeleinsee und weiter zum Sattel (1949m), dem höchsten Punkt dieses Tages, führte der Weg. Bei der einzigen Rast dieses Tages traf ich einen netten, älteren Herrn, einen Bergfanatiker, aus der Salzburger Gegend, der von einer Tour aus dem Hagengebirge zum Parkplatz Hinterbrand unterwegs war. Um Geld zu sparen, erzählte er mir, übernachte er bei seinen Touren immer im Auto. Schlechtes Gewissen überkam mich. Phantastische Tiefblicke genoss ich dann in der steil abfallenden Röth auf den Obersee, den Königssee und den Watzmann, welcher sich mit den Wolken in diesen beiden Seen um die Wette spiegelte. Weiter ging’s durch tief von Moos bewachsenen, feuchten Wäldern zur urigen Wasseralm, dem Ziel dieses Tages. Diese Alm, als wichtiger Stützpunkt bei vielen Touren im Steinernen Meer rund um den Königssee kann nur per Helikopter versorgt werden, trotzdem verköstigte uns der nette Hüttenwirt ausreichend mit  wohlschmeckenden Eintopf, Bier und Wein. Natürlich gab es auf dieser Hütte keinen Strom und auch keinen Handyempfang, was die vielen Youngstars sehr bedauerten. Ich verbrachte diesen schönen Abend bei flackerndem Kerzenlicht, mit einem pensionierten, sozial fortschrittlich eingestellten Redakteur der „Süddeutschen“, einem Bauhofleiter aus Tittmoning und einem deutsch/österreichischen Ehepaar bei netten Gesprächen über die wichtigen Dinge dieser Welt. Ich erinnere mich sehr gerne an die Vier zurück.

Watzmann, Seeleinsee, Wegweiser, Blick Ri. Norden mit Seeleinsee und Hagengebirge.


Blick Ri. Süden zum Steinernen Meer, hinunter in die Röth, Röth (2x), Wegweiser bei der Wasseralm.


Wasseralm



Natur am Morgen
Natur am Morgen

Wasseralm – Maria Alm

 

Nach einem bescheidenen Frühstück, ich esse nie viel am Morgen, verließ ich als erster um 7:00 Uhr die Hütte. Vorbei an der nahe gelegen Hütte des Försters vom Nationalpark Berchtesgadener Land, (sein Hund hatte dort mehr Platz als die Gäste der Wasseralm) geht der schmale und offenbar selten begangene Weg hoch zur blauen Lache. Noch innerhalb der Baumgrenze, eine halbe Stunde nach dem Abmarsch standen wie aus dem nichts zwei wohlgenährte Gämsen ca. 30m vor mir. Um schnell fotografieren zu können trage ich den Fotoapparat immer in einer Gürteltasche und diesmal gelang mir ein Foto von einem dieser prächtigen  Tiere. Die andere Gams flüchtete sofort nachdem sie mich erblickte.  Wohl zu Recht, denn hinterher dachte ich mir - Gämsengulasch mit Knödel und Preiselbeeren..... Als ich die Abzweigung Steinhütterl erreichte, war die Sonne bereits über dem Kamm der umliegenden Gipfel hochgestiegen, und ließ erste Schweißperlen auf meiner Stirn hervortreten. Einsamste Gegend, durch die Steinplatten natürlich nicht erkennbarer Weg, jedoch sehr, sehr gut markiert, stundenlang kein Handyempfang, immer ansteigend, erreichte ich die Grenze Deutschland - Österreich. Vorbei an einer tropfenden Quelle ging es über Blockwerk den Kamm hoch zum heutigen höchsten Punkt - Hochbrunnsulzen (2358m). Großartiger Rundumblick, zurück ins Hüttental, nach vorne der andere Teil des Steinernen Meeres mit dem imposanten aber „kleiner“ gewordenen Watzmann begeisterte mein Auge. Das Beste aber war, nach gut 4 Stunden der völligen Einsamkeit, konnte ich die weit entfernten Stimmen der Bergsteiger, die auf der Schönfeldspitze unterwegs waren, vernehmen. Die Buchauer Scharte erreichte ich um die Mittagszeit. Strahlender Sonnenschein, ein Tiefblick nach Maria Alm und Saalfelden, in der Ferne die schneebedeckten Gipfel des Alpenhauptkammes, nach Norden das Steinerne Meer, meine einzige Rast an diesem Tag hatte das perfekte Umfeld. Ein scharfer Pfiff ließ mich kurz aufschrecken, ein Murmeltier, das mit seinen Genossen darauf das Weite suchte. Steil ging’s dann hinunter zur Freithofalm (Baumgrenze), weiter über das Kaseregg nach Maria Alm. Beim Abstieg über diesen sonnendurchfluteten Südhang des Steinern Meeres kam mir die Erkenntnis, die Idee den Weg von Norden nach Süden zu machen war eine Gute, denn ein Abstieg am heißen Südhang ist leichter als ein Aufstieg. Maria Alm, der liebliche Touristenort, ist sowohl im Sommer als auch im Winter einen Besuch wert. Auch hierher gedenke ich wiederzukommen. 

Blaue Lache am Morgen, Steinhütterl, Grenze Deutschland - Österreich, der Weg, das Steinerne Meer, Hochbrunnsulzenkamm mit dem Selbhorn.


Wegweiser Hochbrunnsulzen, Steinerne Meer mit dem Watzmann im Hintergrund, Schönfeldspitze, Blick über Maria Alm und Saalfelden (2x), Blick zurück auf die Buchauer Scharte.



Maria Alm
Maria Alm

Maria Alm - Hundstein

 

Von Maria Alm auf Nebenwegen nach Unterberg und nächst der Schipiste auf teils breiten Wegen, hier wird auch sehr viel Mountainbike gefahren, hinauf zur Griesbachalm, weiter zur Lohningalm, die Bergstation des Schiliftes Langegg links liegend lassend, auf den von weitem sichtbaren Hundstein mit dem durch das „Hundstoa Ranggeln“ berühmten Statzerhaus. Da ich erst am späten Vormittag startete, und der Aufstieg gute 4 Stunden dauerte, übernachtete ich an diesem Tag als einziger Gast. Der Hundstein ist der höchste Grasberg Europas und der Hüttenwirt erklärte mir stolz auf 32 3000er blicken zu können. Der Rundumblick ist tatsächlich atemberaubend. Im Uhrzeiger von Norden beginnend, das Steinerne Meer, der Hochkönig, das Tennengebirge, der Dachstein, die Gasteiner Berge, im Süden der Großglockner, das Wiesbachhorn, der Großvenediger, tief unten Zell am See mit der Schmittenhöhe und der Wilde Kaiser lagen praktisch vor meine Füßen. Ich kam mit zwei „Grantenpflückern“, das sind Preiselbeeren, aus der Gegend um Bruck an der Glocknerstraße ins Gespräch. Sie waren am Morgen zum Granten pflücken aus dem Tal aufgestiegen, verbrachten aber den ganzen Tag auf der Hütte in der wohltuenden Sonne. Mit diesen Beiden, einem Tennengauer Ehepaar und dem reschen Hüttenwirtpaar vergammelte ich dann einige launige Stunden. Später stiegen aber alle Gäste wieder ab, und ich genoss die unendliche Stille als sich die Sonne über der Schmittenhöhe verabschiedete.

auf der Schipiste, Lohningalm, der Grasberg mit dem Hochkönig im Hintergrund, Hundsteinsee, Steinerne Meer, Alpenhauptkamm mit Großglockner und Wiesbachhorn.


Statzerhaus mit Sonnenuntergang über der Schmittenhöhe



Granten!!! neben dem Weg
Granten!!! neben dem Weg

Hundstein - Rauris

 

Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen war nicht ganz so spektakulär, ich brach bald auf. Zuerst wieder ein Stück am selben Weg zurück, am Hundsteinsee vorbei, über die Pfarrachhöhe hinunter nach Taxenbach, einem kleinen Ort an der Salzachtal-Bundesstraße. Einem ehemaligen ÖBB Trainerkollegen aus Salzburg, ich war die letzten 18 Jahre meines Berufslebens meist in der Ausbildung tätig, ist es zu verdanken, dass ich ab dort den Weg durch die wundschöne, grandios ausgebaute Kitzlochklamm nahm. Schmale, in den Fels gebaute Holzbrüstungen und steile Holzstufen führen durch diese, sonst für normale Menschen unbegehbare, enge Steinlandschaft mit den steil abfallenden Wasserfällen. Weiter ging ich dann über liebliche Wege ins beschauliche Rauris. Rauris, der Ort der gleichnamigen Steine, der Goldwäscher, der Bartgeier, Tor zum Nationalpark Hohe Tauern und Ausgangspunkt für die Besteigung des Hohen Sonnblicks. Am Hauptplatz traf ich eine jung geblieben Salzburgerin (Stadt), die mir erzählte, sie sei extra angereist um das Grab, der 1994 in Garmischpartenkirchen tödlich verunglückten Skiweltmeisterin Ulli Maier zu besuchen. Ich war schwer beeindruckt. Aber, Friedhöfe mag ich nicht. 

Pfarrachhöhe, Alpenhauptkamm, Kitzlochklamm (3x), Rauris.